Grundlagen der Kommunikation

Mein Studium vermittelt mir momentan die Grundlagen der Kommunikationswissenschaft. Die für mich schlüssigste Theorie ist aktuell die von Niklas Luhmann.

Wenn man eine Theorie zur Kommunikation aufstellt, so gibt es laut Niklas Luhmann zwei Möglichkeiten: Die erste Art der Theorie schaut sich die aktuelle Situation an und versucht, diese zu verbessern. Dies ist nach Luhmann nicht unbedingt notwendig, er verfolgt die zweite Möglichkeit, die These der Unwahrscheinlichkeit. Luhmann geht erst davon aus, dass Kommunikation an sich äußerst unwahrscheinlich ist und löst die aktuellen Umstände damit auf. Dann fragt er, wieso Kommunikation unwahrscheinlich ist und wie man diese unwahrscheinliche Kommunikation in wahrscheinliche Kommunikation umwandeln könnte.
Laut Niklas Luhmann ist Kommunikation deswegen unwahrscheinlich, weil es drei „Schwellen der Entmutigung“ gibt. Diese Schwellen der Entmutigung sorgen dafür, dass man Kommunikation unterlässt, wenn sie wenig Aussicht auf Erfolg hat.
Die Schwellen definiert Luhmann wie folgt: Das erste Hindernis auf dem Weg der Verständigung zwischen Sender und Empfänger (Ego und Alter) liegt im Verstehen. Den Sinn von etwas kann man nur verstehen, wenn das eigene Gehirn den richtigen Kontext bereitstellt. Was nicht verstanden werden kann ist keine Kommunikation.
Die zweite Schwelle ist physikalischer Natur – sie betrifft das Erreichen von Empfängern. Face-to-Face Kommunikation ist, wenn man sich versteht, problemlos möglich aber sobald mehr Raum als ein paar Meter dazwischen liegen oder gar zeitliche Distanz zwischen Sender und Empfänger liegt fangen die Probleme an.
Das dritte Hindernis ist die Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs. Selbst wenn die räumliche und zeitliche Distanz überwunden ist und sich Sender und Empfänger verstehen, bedeutet das noch nicht dass der Empfänger sich nach dem Inhalt der Kommunikation richtet und danach handelt. Als Handlung wird bei Luhmann nicht nur eine körperliche Tätigkeit angesehen sondern auch Gedanken, Erlebnisse oder sonstige Verarbeitung der Kommunikation.
Schwierig ist außerdem, dass sich „die drei Arten von Unwahrscheinlichkeit“ gegenseitig „verstärken“. Wenn der Empfänger die Kommunikation versteht, also die erste Schwelle bewältigt ist, findet er durch den Kontext mehr Gründe sie abzulehnen – zum Beispiel weil man dann auf andere Möglichkeiten kommt.

Ein deutlicheres Beispiel: Alter schlägt vor, den weißen Hausflur teilweise grün zu streichen, damit er weniger langweilig wirkt.
Ego versteht den Vorschlag, mag aber kein grün. Ego lehnt den Vorschlag ab, kann aber teilweise darauf eingehen und seinerseits neue Kommunikation starten – zum Beispiel mit dem Vorschlag, den Flur rot zu streichen.
Auch die räumliche Distanz zu überwinden kann die anderen Schwellen erhöhen. Während man nämlich innerhalb eines kleinen Kreises sich einfach verständlich ausdrücken kann und überzeugend argumentieren kann, wird dies mangels rhetorischen Möglichkeiten bei höherer Distanz schwerer. Bei zeitlicher Distanz kämpfen die Empfänger dagegen oft mit dem Verständnis – frühere Formulierungen oder gar ganze Sprachen sind heute nicht mehr alltäglich und müssen erst erlernt werden, zum Beispiel Latein in der Schule oder Althochdeutsche Texte an der Universität.
Um also den Erfolg zu maximieren muss die räumliche und zeitliche Distanz möglichst klein und die Kommunikation möglichst einfach und verständlich sein.